Original Ergebnisseite.

Reinhardt, Max, Aufstieg und Krise der SPD. Flügel und Repräsentatnten einer pluralistischen Volkspartei. Nomos, Baden-Baden 2011. 628 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

Reinhardt, Max, Aufstieg und Krise der SPD. Flügel und Repräsentanten einer pluralistischen Volkspartei. Nomos, Baden-Baden 2011. 628 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Die Arbeit ist die leicht überarbeitete Fassung der von Michael Vester betreuten, von der Friedrich-Ebert-Stiftung finanzierten, unter dem Titel „Die SPD-Flügel seit 1945. Eine historische Untersuchung über das Machtfeld SPD anhand von biografischen Interviews mit SPD-Politikerinnen und SPD-Politikern“ an der philosophischen Fakultät der Universität Hannover 2009 angenommenen Dissertation des 1975 geborenen Verfassers. Nach dem Studium von Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie in Marburg und Hannover hatte er 2001 den Grad eines Magisters Artium erworben. 2010 wurde er Lehrbeauftragter für politische Soziologie am Institut für politische Wissenschaft der Universität Hannover.

 

In seinem Vorwort beschreibt der Betreuer die Untersuchung als die Vereinigung zweier üblicherweise getrennter Gegenstände. Zum einen werden die Strömungen und Richtungskämpfe der sozialdemokratischen Partei Deutschlands seit 1945 ermittelt, analysiert und strukturiert. Zum anderen werden zu diesem Zweck dreizehn ausgewählte und ausführlich befragte Personen biographisch erfasst.

 

Diese Fallstudien betreffen Hans-Jochen Vogel (1926), Peter von Oertzen (1924), Anke Fuchs (1937), Hans Koschnick (1929), Hermann Rappe (1929), Ernst Breit (1924), Inge Wettig-Danielmeyer (1936), Thomas Oppermann (1954), Brigitte Zypries (1953), Olaf Scholz (1958), Sigmar Gabriel (1959), Frank-Walter Steinmeier (1956) und Andrea Nahles (1970), so dass also die Geburtsjahrgänge zwischen 1938 und 1952 ausfallen. Dementsprechend dürfte die politische Bedeutung der einbezogenen Personen für Strömungen und Richtungen unmittelbar nach 1945 auch eher gering gewesen sein, weshalb der Schwerpunkt auf den Strömungskämpfen seit der Mitte der 1960er Jahre liegen dürfte. Dessenungeachtet gewinnt der Verfasser in seiner eindrucksvollen Leistung zahlreiche neue Erkenntnisse über eine wichtige deutsche Volkspartei, der im Vorhof zu neuer Macht noch eine überzeugende Leitfigur zu fehlen scheint, so dass sie bisher auf Fehler der politischen Gegner setzen muss.

 

Innsbruck                                                                   Gerhard Köbler