Einhundertfünfundsiebzig (175) Jahre Freshfields Bruckhaus Deringer in Deutschland. Eine Sozietätsgeschichte im Wandel von Wirtschaft, Recht und Politik. Beck, München 2015. 288 S., zahlr. Abb. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Der Rechtsanwalt als unabhängiger fachmännischer Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten erscheint wohl seit dem 12. Jahrhundert als Folge der Wiederentdeckung der antiken römischen Rechtsquellen in Italien allmählich in ganz Europa. Seine Anfänge sind ziemlich bescheiden und nicht mit den großen law firms der Gegenwart zu vergleichen. Dessenungeachtet ist es sehr erfreulich, dass das Unternehmen, das sich die beste Kanzlei der Welt zum Ziel gesetzt hat, sich anlässlich der 175jährigen Wiederkehr ihrer deutschen Anfänge an die Herkunft erinnert und mit ihr in der allgemeinen Öffentlichkeit wirbt.

 

Gegliedert ist das vornehm und elegant mit eingestreuten goldenen Seiten gestaltete Werk nach der Zielsetzung in sieben chronologische geordnete Abschnitte. Sie beginnen mit Hamburger Anwälten zwischen Vormärz und Kaiserreich, als Ludwig Noack 1840 den ersten Grundstein legte. Den Gründerjahren mit dem Übergang von der Einzelkanzlei zur Sozietät durch Aufnahme von Partnern folgen die Krisenzeiten vom Ende des deutschen Kaiserreich Bismarcks bis zur Weltwirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre.

 

Im Dritten Reich werden jüdische Anwälte wie Otto Julius Scharlach ausgegrenzt und Kanzleien arisiert, doch gelingt Ascan Lutteroth eine Pionierleistung durch Einsatz für das Steuerrecht. Pioniere werden auch Deringer Tessin Herrmann & Sedemund in Bonn für Kartellrecht und Europarecht, während sich Bruckhaus Kreifels Winkhaus & Lieberknecht in Düsseldorf auf das Wirtschaftsrecht konzentrieren. Allgemein expandieren auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung die Wirtschaftskanzleien trotz Ölkrise, Wirtschaftskrise und Zusammenbruch des Systems von Bretton-Woods vorzüglich.

 

Nach der politischen Wende und dem Fall der Mauer in Berlin entsteht mit Bruckhaus Westrick Stegemann die bis dahin größte deutsche Sozietät, die neue Büros nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland eröffnet und sich bald zu Bruckhaus Westrick Heller Löber wandelt, während sich Deringer Tessin Herrmann & Sedemund mit dem 1743 in London gegründeten Unternehmen Freshfields zusammenschließen. Dem folgt im beginnenden 21. Jahrhundert die Fusion zu Freshfields Bruckhaus Deringer, wobei neben bewährter Beratung auch das gesellschaftliche Engagement immer größere Bedeutung erlangt. Als entscheidender Grundsatz wird danach a history of thinking ahead erkannt und betont.

 

Veranschaulicht werden die von Freshfields Bruckhaus Deringer LLP herausgegebenen, von Christiane Fritsche, Britta Stücker, Thomas Prüfer und dem Geschichtsbüro Reder, Roeseling & Prüfer in Köln verantworteten spannend unterhaltenden Texte durch zahlreiche Abbildungen. Anmerkungen sichern die Ausführungen wissenschaftlich ab. Ein eher klein gedruckter Index von etwa Abs bis Zierer schließt den Inhalt ansprechend auf, so dass mit Hilfe eines ebenbürtigen Partners insgesamt eine beeindruckende Unternehmensgeschichte in Deutschland geboten wird, die noch weiteren Glanz erhoffen lassen kann.

 

Innsbruck                                                       Gerhard Köbler