Stauber, Reinhard, Der Wiener Kongress. Böhlau/UTB, Wien 2014. 285 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Trotz aller geschichtlichen Erfahrung finden sich immer wieder Menschen, die an die Möglichkeit der Herrschaft über den Rest ihrer Welt glauben. Zu ihnen zählte auch Napoleon Bonaparte, der seine Hegemonie über Europa für möglich hielt, aber an der Überspannung seiner Kräfte scheiterte. Danach hatten die endlichen Sieger die Chance zu einer Neugestaltung, die sie vor 200 Jahren ergriffen.

 

Die zweihundertste Wiederkehr dieses Ereignisses ist von unterschiedlichen Seiten publizistisch aufgegriffen worden. Der in Regensburg 1960 geborene, in Geschichte und Politikwissenschaft in München ausgebildete, als wissenschaftlicher Assistent am örtlichen Institut für neuere Geschichte 1990 mit einer Dissertation über Herzog Georg von Bayern-Landshut und seine Reichspolitik promovierte, 1998 mit einer Schrift über den Zentralstaat an seinen Grenzen (Administrative Integration, Herrschaftswechsel und politische Kultur im südlichen Alpenraum) habilitierte und 2003 für neuere und österreichische Geschichte an der Universität Klagenfurt berufene Verfasser verwendet dafür das handliche Taschenbuch. Er gliedert seine kompakte Darstellung nach einer Einleitung über Schlüsselbegriffe zur „Wiener Ordnung“ (Restauration, Legitimität, Recht, Gleichgewicht, Ordnung, Monarchie, Konstitution, Intervention) in sieben chronologisch-sachlich gereihte Kapitel.

 

Er beginnt mit Bündnissen, Verträgen und dem Kongress (1813/1814), schildert danach die schwierigen Anfänge und das drohende Scheitern und stellt anschließend die Verhandlungen und Ergebnisse vor allem hinsichtlich der Auswirkungen auf Warschau, Preußen, Hannover, die Niederlande und Luxemburg sowie Bayern und Österreich dar. Als europäische Schauplätze werden die Schweizer Eidgenossenschaft, die Staatenwelt Italiens und die skandinavischen Mächte genannt, während der Deutsche Bund als föderatives Band in der Mitte Europas behandelt wird und Festkultur und globale Aspekte einen abschließenden Rahmen bilden. Vier Karten, eine Zeittafel, ein Literaturverzeichnis und zwei Register (Personenregister, Ortsregister) runden den vielfältigen Überblick über diese wichtige, die politische Geschichte der Deutschen viele Jahrzehnte nachhaltig bestimmende Ereignis mit seinen noch in der Gegenwart sichtbaren Folgen benutzerfreundlich ab.

 

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