Nürnbergs Hochschule in Altdorf. Beiträge zur frühneuzeitlichen Wissenschafts- und Bildungsgeschichte, hg. v. Marti, Hanspeter/Marti/Weißenbach, Karin. Böhlau, Köln 2014, 368 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Des deutschen Reiches Erzschatzkästlein war zwar frühzeitig an wirtschaftlichem Aufschwung interessiert, konnte sich aber leider nicht früh genug für die Förderung der Wissenschaft entscheiden, so dass es noch in der Gegenwart nur Zweitstandort einer Universität ist. Selbst die im 17. Jahrhundert gegründete Universität Nürnbergs fand ihren Platz nicht in der Stadt selbst, sondern in dem 1504 von der Pfalz an die Reichsstadt gelangten ländlichen Altdorf, wenn sie auch auf dem 1526 nach Vorschlägen Melanchthons im Egidienkloster eingerichteten Gymnasium beruht. Dass der Anfall an Bayern Nürnberg nicht nur Vorteile, sondern auch die Schließung der Universität brachte, fügt sich in diese ambivalente Bildungsgeschichte trefflich ein.

 

Dessenungeachtet fand vom 3. bis zum 5. Mai in Engi/Glarus Süd in der Schweiz die vierte hochschulgeschichtliche, von der Arbeitsstelle für kulturwissenschaftliche Forschungen organisierte Tagung statt, die einen Workshop des Sonderforschungsbereichs 573 (Pluralisierung und Autorität in der frühen Neuzeit 15.-17. Jahrhundert) fortsetzte, der am 1. Dezember 2009 vom Teilprojekt B 7 (Gelehrtenkultur und religiöse Pluralisierung – Praktische Toleranz im Umgang mit heterodoxen Positionen um 1600) veranstaltet worden war. Die Tagungsteilnehmer präsentierten in zehnminütigen Kurzvorträgen Inhalt und Konzept ihres für einen Sammelband zur Geschichte der Universität Altdorf geplanten Beitrags, der unter dem übergeordneten Aspekt einer Geschichte und Kritik des Altdorfer Sozianismus veröffentlicht werden wollte. In der Folge erschien dann aber eine Erweiterung der thematischen Aspekte als vorteilhafter.

 

Insgesamt umfasst das daraus erwachsene vorliegende Werk nach einer Einleitung 10 Beiträge. Sie betreffen etwa die Bildungspolitik im Zeichen Melanchthons, Seelentheorien nördlich und südlich der Alpen, den Mediziner Kaspar Hofmann, die Philosophie Ernst Soners, den Altdorfer Sozianismusstreit um Spiegel akademischer Kleinschriften, das Recht auf Rechtlosigkeit bei Arnold Clapmarius, die Altdorfer Politikwissenschaft, die juristische Dissertation Georg Christoph Schefers, Daniel Wilhelm Moller oder Johann Andreas Michael Nagels Disputationen. Ein Personenregister rundet den vielfältigen, die Bedeutung Altdorfs für die deutsche Wissenschaftsgeschichte charakteristisch akzentuierenden Sammelband vorteilhaft ab.

 

Innsbruck                                                       Gerhard Köbler