Foege, Lisa, Wessenbergs Herzenskind. Geschichte einer sozialen Fürsorgeinstitution in Konstanz (= Kleine Schriftenreihe des Stadtarchivs Konstanz 17). UVK, Konstanz 2014. 158 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Die irdische Natur lebt vom Kampf aller gegen alle und ist daran trotz umfänglichen Wandels bisher nicht zu Grunde gegangen. Eine verhältnismäßige Ausnahme hiervon bilden am ehesten die zeitweisen Zuneigungen verschiedener Geschlechter von Lebewesen und die damit vielfach verbundene, zeitlich grundsätzlich ebenfalls begrenzte Aufzucht des Nachwuchses. Davon abgesehen ist jedes Individuum auf sich gestellt und muss sich mit den Irrungen und Wirrungen seines Daseins selbst auseinandersetzen.

 

Aus nicht wirklich ergründbaren Ursachen haben sich darüber hinaus aber im Laufe der Geschichte doch immer wieder einzelne Menschen um das Wohl ihnen eigentlich fremder Mitmenschen gekümmert. Einer von ihnen ist der in Dresden am 4. November 1774 geborene Ignaz Heinrich Karl Freiherr von Wessenberg, der nach dem Studium der Theologie in Augsburg, Dillingen, Würzburg und Wien im Jahre 1801 lange vor seiner Priesterweihe von 1812 von Fürstbischof Karl Theodor von Dalberg zum Generalvikar des Bistums Konstanz ernannt wurde. Mit seinem Wirken befasst sich die vorliegende, von Lothar Burchardt betreute Untersuchung der damit am 21. September 2012 an der Universität Konstanz promovierten, bereits 2008 mit einer kurzen Studie über das hundertjährige Bestehen des Elektrizitätswerks Konstanz erstmals hervorgetretenen Verfasserin.

 

Gegliedert ist die Schrift außer in eine Einleitung über Quellenlage, Forschungslage und Begriffsverwendung in acht Sachkapitel. Sie betreffen Wessenberg als Kirchenmann und Privatmann samt seinen drei Vermächtnissen, die Verortung seines sozialen Engagements, sein pädagogische Programm im Rahmen der Armenfürsorge, Kinderfürsorge, Schulen und Frauenvereine in Konstanz im 19. Jahrhundert, den badischen Rettungsverein vor Entartung und Verwilderung, das titelgebende Herzenskind Wessenbergheim (1855-1977) und das soziale Netz in Konstanz am Anfang des 21. Jahrhunderts. Insgesamt kann die Verfasserin beispielhaft zeigen wie aus Familie, Ausbildung, Religion und Politik über die Pädagogik in der Gestalt des erfassten Vereins und die Blüte Rettungshaus im späten 20. Jahrhundert die wichtige „Frucht“ Sozialzentrum Wessenberg entstand, deren Weiterwirken nicht nur in Konstanz , sonder auch an vielen anderen Orten manchem Mitmenschen bei der Bewältigung ihres Lebens helfen kann.

 

Innsbruck                                                        Gerhard Köbler