Seemann, Annette, Weimar. Eine Kulturgeschichte. Beck, München 2012. 464 S., 91 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Die in Frankfurt am Main 1959 als Annette Besier geborene, 1985 den späteren Kulturmanager und Präsidenten der Weimarer Klassikstiftung Hellmut Seemann heiratende Verfasserin promovierte nach dem Studium der Germanistik und Romanistik in Frankfurt am Main und Poitiers 1986 in ihrer Geburtsstadt über Merlin (Prophet und Zauberer? - Eine komparatistische Studie zum Merlin-Stoff im Mittelalter und im 19. und 20. Jahrhundert). Danach begann sie eine Tätigkeit als Übersetzerin in verschiedenen Verlagen, wobei sie kurz nach ihrer Übersiedelung nach Weimar (2002) für den Beck-Verlag Paolo Prodis Geschichte der Gerechtigkeit übertrug. In Weimar übernahm sie 2003 den Vorsitz des Freundeskreises Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek und schrieb eine Reihe von Werken über Weimar und Herzogin Anna Amalia in verschiedenen Verlagen.

 

An der jüngsten Spitze steht ihre umfassende Kulturgeschichte. Sie ist nach dem Vorwort von der Überzeugung geprägt, dass, wenn es überhaupt so etwas wie die deutsche Stadt par excellence gibt, dies Weimar ist. Als Anhaltspunkte nennt sie dafür Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Goethe, Schiller, Franz Liszt, (den in Weimar bereits geistig umnachteten) Friedrich Nietzsche, das (bald abwandernde) Bauhaus, die deutsche Nationalversammlung von 1919 und (den von Weimar faszinierten) Adolf Hitler.

 

Gegliedert ist das kulturgeschichtliche Zuneigungswerk in neun Zeiten, wobei die Verfasserin sich auch in die Einzelheiten der ihr an sich eher fremden frühen Zeit einarbeitet. Mit der Zeit des Glaubens ist sie bereits im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, nach denen sie die goldene Zeit (1756-1807), die Probezeit, die silberne Zeit, moderne Zeiten, die braune Zeit, die rote Zeit und bunte Zeiten schildert. Zahlreiche Abbildungen (vor allem der Klassik Stiftung Weimar) veranschaulichen die vielfältigen Einzelheiten, angehängte Anmerkungen und Literaturhinweise ermöglichen die Vertiefung und ein Personenregister von Ernst Abbe bis Joseph Zitek schließen die als deutsches Brennglas verstandene, hinsichtlich der offenen Zukunft Weimars hoffnungsfrohe neue Gesamtdarstellung hilfreich auf.

 

Innsbruck                                                                   Gerhard Köbler