Nonn, Ulrich, Mönche, Schreiber und Gelehrte. Bildung und Wissenschaft im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012. 200 S., 60 Abb. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Die bedeutsamste Erscheinung der Gesellschaft der Gegenwart ist wohl der rasche, weltweite Anstieg der Bildung, der nicht nur dazu führen wird, dass in Kürze jeder bildbare Mensch lesen und schreiben können wird, sondern dass vielleicht sogar jeder künftig einen universitären Abschluss vorlegen wird können und müssen. Die ersten Grundlagen für diesen menschlichen Aufstieg wurden wohl bereits im Altertum gelegt. Den allgemeinen Übergang von der einfachen Schule zur höheren Universität hat aber erst das Hochmittelalter vollzogen, so dass gerade Bildung und Wissenschaft im Mittelalter ein wichtiger Forschungsgegenstand sind.

 

Der in Ahrweiler 1942 geborene, in Geschichte und Germanistik an den Universitäten Bonn und Freiburg ausgebildete Verfasser wurde nach der 1967 abgelegten ersten Staatsprüfung für das Lehramt am Gymnasium und einer Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft in Bonn 1971 bei Eugen Ewig mit einer Dissertation über merowingische Testamente, die das Fortleben einer römischen intellektuellen Errungenschaft im frühmittelalterlichen Frankenreich behandeln promoviert. 1981 wurde er in Bonn mit einer Schrift über die politische Raumgliederung im früheren Mittelalter habilitiert und 1991 nach Koblenz-Landau berufen. Einen wichtigen Schwerpunkt seiner weitern Forschungen bildet die epochenüberschreitende Erschließung der Personennamen vom 3. bis 8. Jahrhundert als Indikatoren für sprachliche, ethnische, soziale und kulturelle Gruppenzugehörigkeit.

 

Das vorliegende, mit einem Ausschnitt aus einem Fresko „Gregorius mit einem Schreiber“ von 1290/1295 in Assissi geschmückte, für eine breitere Leserschaft gedachte Werk behandelt den Gang der Bildungsentwicklung ansprechend chronologisch. Es beginnt mit der Frage nach dem verfall der römischen Bildung und erörtert danach die auf einen sehr kleinen Kreis beschränkte karolingische Bildungsreform, das Schulwesen als Domäne der Kirche, die Entwicklung der Scholastik als mittelalterliche Schulwissenschaft, den entscheidenden Übergang von den Domschulen zu den Universitäten (Paris, Bologna, Neapel, Salerno, Prag), die dem erst folgende Entstehung des städtischen Schulwesens und schließt mit der neuen Bildungsbewegung des Humanismus sowie einem Vergleich zwischen Mittelalter und heute. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen den Text, ein Personenregister schließt die betrachteten Personenregister (von Abaelard bis Zwingl) auf, während ein Sachregister fehlt.

 

Innsbruck                                                                   Gerhard Köbler