Emling, Gisela, Johannes Heckel - Leben und Wirken (1889-1963) (= Rechtshistorische Reihe 418). Lang, Frankfurt am Main 2011. 254 S. Besprochen von Gerhard Köbler.

 

Die Arbeit ist die von Hermann Nehlsen betreute, 2010 von der juristischen Fakultät der Universität München angenommene Dissertation der 1981 geborenen, nach der ersten juristischen Staatsprüfung 2005 als Assistentin am Lehrstuhl für bürgerliches Recht und nach Abschluss ihrer juristischen Ausbildung 2008 als Rechtsanwältin tätigen Verfasserin. Sie befasst sich mit Leben und Wirken eines bekannten, vielseitigen Kirchenrechtlers des 20. Jahrhunderts. Damit schließt sie eine bisher bestehende Lücke.

 

Der am 24. November 1889 in Kammerstein bei Schwabach als Sohn eines Pfarrers geborene Johannes Heckel wurde nach dem Studium der Rechtswissenschaft in München als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum 1920 auf Grund seiner Dissertation über das Dienststrafrecht der protestantischen Landeskirche Bayerns promoviert. Als Assistent Ulrich Stutzs wird er 1923 mit einer Untersuchung über die evangelischen Dom- und Kollegiatstifter in Preußen habilitiert. 1928 wurde er nach Bonn und 1934 nach München berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1947 verblieb.

 

Die Verfasserin verfolgt auf Grund auch ungedruckter Quellen und eines Interviews mit Martin Heckel den Werdegang in sechs Kapiteln von der Jugend über das Studium, die Zeit bis 1933, die Zeit ab 1933 und die Zeit nach 1945 bis zur Erkrankung an Parkinson und zum Tod in Tübingen am 15. 12. 1963. Dabei erweist sie Heckel als einen zielstrebigen, anfänglich liberalen, dann nationalsozialistisch-antisemitischen und schließlich geläuterten Forscher und Lehrer von hoher Begabung und eindrucksvoller Flexibilität (ausgezeichnet mit dem großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, teilweise alphabetisches Schriftenverzeichnis mit etwa 120 Veröffentlichungen). Kleinere Mängel (Todestag im tabellarischen Lebenslauf, Bindig, rechthistorisch, außerordentlicher/ordentliche Professur in Berlin) trüben die Leistung der Verfasserin, die am Ende besonders darauf hinweist, dass Michael Stolleis die Beziehung Heckels zum Nationalsozialismus als schwieriger zu bestimmen bezeichnet (und unter Verweis auf die große Bedeutung in Theologie und Kirchenrecht nach 1945 nicht näherbehandelt), nicht wesentlich.

 

Innsbruck                                                                   Gerhard Köbler