Segev, Tom, David Ben Gurion. Ein Staat um jeden Preis, aus dem Hebräischen von Achlama, Ruth. Siedler, München 2018. 800 S. Abb. Angezeigt von Gerhard Köbler.

 

David Grün wurde in Plońsk in Kongresspolen in dem russischen Zarenreich an dem 16. Oktober 1886 als Sohn des eine zionistische Organisation führenden jüdischen Rechtsanwalts Avigdor Grün geboren und wandte sich früh dem Zionismus und dem Sozialismus zu. An dem 7. September 1906 landete er in Jaffa in Palästina und wirkte in seiner neuen Heimat zuerst in einem Orangenbaubetrieb und dann als Journalist, wobei er bei dem Aufbau der jüdischen Untergrundorganisation HaSchomer mitwirkte. Bei seinem Einstieg in die Politik nahm er in Erinnerung an den jüdischen Anführer Shimon bar Kokhba aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert den Namen Ben Gurion (Sohn des Sterns) an, unter dem er weltweite Bedeutung gewann.

 

Der Verfasser des vorliegenden gewichtigen biographischen Werkes wurde in Jerusalem 1945 geboren und nach dem Studium der Geschichte einer der bekanntesten Journalisten Israels, dessen Untersuchung über die siebte Million – Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung aus dem Jahre 1995 ihn auch in Deutschland bekannt machte. Seitdem hat er weitere eindringliche Untersuchungen über Palästina, den Sechstagekrieg, Israels zweite Geburt, die Anfänge des jüdischen Staates sowie Simon Wiesenthal vorgelegt. David Ben Gurion, der 1930 in dem an dem Ende des ersten Weltkriegs aus dem Erbe des Osmanischen Reiches übernommenen Mandatsgebiet Palästina Großbritanniens die zionistisch-sozialistische Arbeiterpartei Israels mitbegründete, an dem 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit Israels ausrief und von 1948 bis 1953 sowie von 1955 bis 1963 Premierminister und Verteidigungsminister Israels war, begleitete er gewissermaßen von seinen ersten Anfängen an bis zu seinem Tode in Ramat Gan an dem 1. Dezember 1973.

 

Gegliedert ist das durch zahlreiche Anmerkungen abgesicherte Werk in zwei Teile. Sie zeigen die Wege an die Macht von einem frühen Schwur eines engsten Freundeskreises bis zu Holocaust und Spaltung sowie die Grenzen der Macht, die sich auch dem die Interessen Israels um jeden Preis gegen alle Gegeninteressen anderer durchsetzenden Politiker so deutlich stellten, dass er sich 1970 resigniert aus allen politischen Ämtern zurückzog. Wer immer sich siebzig Jahre nach der Entstehung Israels für dessen mühevolles und gewaltsames Werden in dem Kampf gegen die Palästinenser interessiert, findet in der spannend geschriebenen Erzählung umfangreiches Wissen aus nächster Nähe über einen wichtigen Politiker, der die Welt des 20. Jahrhunderts an einer bedeutenden Stelle wesentlich veränderte.

 

Innsbruck                                                       Gerhard Köbler