Oltmer, Jochen, Migration. Geschichte und Zukunft der Gegenwart. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017. 288 S., 24 Tab., 13 Abb. Angezeigt von Gerhard Köbler.

 
Auch wenn die Welt sich seit ihrer Entstehung in das Unendliche erweitert, ist die Erde seit ihrem Beginn endlich. Dies bereitete den ersten Menschen keine Schwierigkeit, weil ihre Zahl gering war und das Land im Verhältnis dazu riesig. Mit dem Siegeszug der Menschheit über viele sie bedrohende Gefahren verändert sich aber dieses Verhältnis und jedermann beansprucht das Recht, sich bestmöglich zu entwickeln, woraus sich in Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt durch günstige Fortbewegungsmittel eine Vermehrung von Wanderung ergeben hat.
 
Mit der daraus entstandenen Migration als einem Massenphänomen befasst sich seit langem der 1995 mit einer Dissertation über bäuerliche Ökonomie und Arbeitskräftepolitik im ersten Weltkrieg am Beispiel des Emslands promovierte, als außerordentlicher Professor seiner Heimatuniversität wirkende Verfasser des vorliegenden Werkes, der bereits 2005 eine Untersuchung über Migration und Politik in der Weimarer Republik vorlegte. Sein neuestes Ergebnis hat unmittelbar nach seinem Erscheinen das besondere Interesse eines sachkundigen Rezensenten gefunden. Deswegen genügt an dieser Stelle eine Beschränkung auf einen allgemeineren Hinweis.
 
Gegliedert ist die Darstellung in insgesamt neun Abschnitte. Diese betreffen nach einer Einführung über Konjunkturen des Begriffs Migration und Ansätze und Untersuchungsfelder der historischen Migrationsforschung die Migration und ihre Hintergründe, die Migration vom 16. bis 18. Jahrhundert, die Massenmigration im langen 19. Jahrhundert, die Industrialisierung und Agrarmodernisierung, den Kolonialismus und seine Folgen, Flucht, Vertreibung und Deportation, den kalten Krieg und boomende Märkte sowie den Weg von der Ost-West-Migration zur globalen Flüchtlingsfrage in dem späten 20. und dem frühen 21. Jahrhundert. Insgesamt zeigt sich dabei, dass die Migration Gewinner wie Verlierer kennt, wobei für die Zukunft völlig ungewiss ist, welche Folgen die grundsätzlich egoistische Politik den von umfangreicher Migration Betroffenen noch bescheren kann und wird, so dass ein geschichtlicher Rückblick immer von großem Gewinn sein wird.
 
Innsbruck                                                       Gerhard Köbler