Eschwege-Lexikon – Das Nachschlagewerk für die Eschweger Region - , hg. v. Fritsche, Herbert/Kollmann, Karl, 2. unv. Aufl.. Historische Gesellschaft des Werralandes, Eschwege 2015. 848 S. Besprochen von Ulrich-Dieter Oppitz.

 

Herbert Fritsche, ein engagierter Geschichtslehrer, und Karl Kollmann, der ehemalige langjährige Leiter des Stadtarchivs Eschweges, legen für die Historische Gesellschaft des Werralandes ein Werk vor, dem in seiner Art Modellcharakter zukommt. Mit den Autoren haben sich die derzeitig wohl besten Kenner der Geschichte Eschweges und des umliegenden Werralandes zusammengefunden, um in einer zeitgemäßen Art eine Geschichte Eschweges und des Werralandes zu verfassen. Sicher wurden über Jahre sorgfältig geführte Zettelkästen der Arbeit zugrunde gelegt. Anders als es meist geschieht, wird die Geschichte als ein Nachschlagewerk aufbereitet. ‚Eschwege Lexikon‘ gibt als treffend gewählter Titel den Inhalt des Buches wieder. Angesichts der in herkömmlichen Werken gut dokumentierten Stadtgeschichte Eschweges bis etwa 1830 legt das vorliegende Buch in beeindruckendem Umfang seinen Schwerpunkt auf die Zeit danach, wobei in geeigneten Bezügen auch die davor liegende Zeit behandelt wird. Nachdem derartige Überblicke heute sehr oft als Datensammlungen ins Internet, und dort mit ungewisser Zugriffsdauer, gestellt werden, haben sich die Autoren für eine ‚Papierversion‘ entschieden. Die schon verkaufte erste Auflage, die binnen kurzem einen Nachdruck als zweite Auflage erforderlich machte, bestätigt die Richtigkeit der Entscheidung. Das Werk kann als ein Muster für eine zeitgenössische Präsentation der Geschichte einer Stadt dienen und sollte viele Nachahmer finden.

 

Die in anderen Ortsgeschichten oft anzutreffende chronologische Aufbereitung der Informationen ermüdet nicht selten den Leser. Über das Register sucht er dann die ihn interessierenden Informationen. Die alphabetische Anordnung dieses Lexikons trägt dieser Lesegewohnheit Rechnung und führt durch die zahlreichen Verweise zu einer umfassenden Information. Die Auswahl der Artikel ist überzeugend und behandelt die wesentlichen Themen, die einen Eindruck vom Leben in einer Kleinstadt geben. In großer Zahl werden Personen behandelt, die aus der Stadt und ihrer Umgebung stammen und sie prägten. Daneben werden Örtlichkeiten in der Stadt und ihre manchmal seltsamen Bezeichnungen erläutert. Die Art der Darstellung gibt den Personen, die mit der Geschichte des Ortes vertraut sind, die notwendigen Informationen, andererseits sind die Schilderungen gerade für die vielen Personen, die im Rahmen der Binnenwanderung erst spät in die Stadt kamen, eine gute Einführung beim Einleben in die neue Umgebung. Die zahlreichen Verweise auf Organisationen, die in der Zeit zwischen 1933 und 1945 Bedeutung hatten, erleichtern das Verständnis ohne große Nachschlagbemühungen in Fachliteratur. Die Autoren verzichten bei ihren Artikel auf Quellennachweise. Für die Lesbarkeit ist dies vertretbar, für eine weiterführende Information ist es indes ein kleiner Nachteil. Zusammenfassend kann den Autoren bestätigt werden, dass sie ihre Arbeit hervorragend gelöst haben. Dies Werk sollte von Autoren, die eine Stadtgeschichte für das 20. Jahrhundert bearbeiten, als ein nachahmenswertes Beispiel beachtet werden.

 

Neu - Ulm                                                                                                     Ulrich-Dieter Oppitz