Die Protokolle des bayerischen Ministerrats 1945-1954, hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Morsey, Rudolf und von der Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns durch Rumschöttel, Hermann. Das Kabinett Ehard II, 20. September 1947 bis 28. Dezember 1950, Band 3 1950 (5. 1. 1950-18. 12. 1950), bearb. v. Braun, Oliver. Oldenbourg, München 2009. LXXXVII, 781 S. Besprochen von Sascha Weber.

 

Als mustergültige Quellenedition zur bayerischen Landesgeschichte in der frühen Nachkriegszeit präsentiert sich diese von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebene und von Oliver Braun bearbeitete Veröffentlichung.

 

Während man sich etwa in Baden-Württemberg zur Herausgabe einer Quellenreihe der baden-württembergischen Verfassungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts entschieden hat, verfolgt die bayerische Landesgeschichte hier den Ansatz die Protokolle des Ministerrats zu edieren. Der vorliegende Band ist der dritte Band zum zweiten Kabinett Ehard und widmet sich dem Zeitraum vom 5. Januar 1950 bis zum 18. Dezember 1950. Enthalten sind 45 edierte und nach den vorhergehenden Bänden fortlaufend als Nr. 93 bis 137 nummerierte Ministerratsprotokolle. Da die Regierungsbildung im ersten Band behandelt wurde, beschränkt sich die wissenschaftliche Einleitung auf die personellen und strukturellen Veränderungen, die sich zu den vorhergehenden beiden Bänden ergeben haben.

 

Das Kabinett Ehard II wurde 1947 nach dem Auseinanderbrechen der Koalitionsregierung mit SPD und WAV als erste alleinige CSU-Regierung unter Ministerpräsident Hans Ehard gebildet. Das im vorliegenden Band behandelte Jahr 1950 war in zweifacher Hinsicht besonders. Es handelt sich hier zum einen um das erste volle Regierungsjahr unter den neuen Bedingungen in Deutschland, nachdem sowohl das Grundgesetz als auch das Besatzungsstatut im Vorjahr in Kraft getreten waren. Zum anderen besiegelten die Landtagswahlen am 26. November 1950 vorerst die Alleinregierung der CSU in Bayern. Mit dem Kabinett Ehard III kam es bis 1954 zur Bildung einer großen Koalition mit der SPD.

 

Neben dem Wechsel im amerikanischen Landeskommissariat waren besonders zwei personelle Umbrüche für die hier edierte Kabinettsphase kennzeichnend. Zum Jahreswechsel 1949/1950 musste Finanzminister Hans Kraus unter anderem wegen der Stuttgarter Hofbräuhaus-Affäre die Regierung verlassen. Angesichts der anstehenden Landtagswahlen übernahm Ministerpräsident Ehard das Finanzministerium für die folgenden Monate selbst. Im Dezember schließlich verließ der Leiter der Staatskanzlei, Anton Pfeiffer, seinen Posten, um das Amt des Generalkonsuls in Belgien anzutreten.

 

Die Themen im Ministerrat waren im Untersuchungszeitraum vor allem von der Bundespolitik diktiert und noch immer von den Kriegsfolgen geprägt. Die wichtigsten Sachgegenstände waren daher der Wiederaufbau, die drängende Frage der Wohnungsbeschaffung, der Arbeitsmarkt sowie die Versorgung von Flüchtlingen und Kriegsopfern.

 

Die vorbildliche Edition nutzt die Kommentare in den Fußnoten zu kundigen Sachanmerkungen, Erläuterungen, biographischen Hinweisen sowie Verweisen auf weiterführende Literatur und gedruckte wie ungedruckte Quellen. Neben einem Abkürzungsverzeichnis enthält der Band außerdem ein Verzeichnis der Protokolle und ihrer Tagesordnungspunkte.

 

Gießen                                                           Sascha Weber